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Anlegespannung der Stretchfolie


Grundlegend für eine gelingende Palettensicherung ist die Bremsung der sich abwickelnden Stretchfolien-Rolle.

Nur durch Bremsung kann man eine Spannkraft zwischen der Palette und der Stretchfolien-Rolle aufbauen. Ohne diese Spannkraft würde die Folie nur locker um die gestretchten Palette herumliegen.

Analogie Kompressionswickel

Man kennt das von Kompressionswickel-Verbänden, wo ein elastischer Verband zur Vermeidung von Ödemen und Thrombosen um Körperteile gewickelt wird. Je straffer man wickelt, umso mehr Kompressionskraft wird ausgeübt. So kann man schon mal einen Bluterguss "wegwickeln"

In der Medizin, wie an der Palette bestimmt also die Spannkraft mit der man wickelt, die finale Kompressionskraft auf das Körperteil und das Ladegut auf der Palette.

Wickelprinzipien

Eine gebremste Stretchfolie um die Palette wickeln kann auf ganz unterschiedliche Arten erfolgen:

➀ Die Palette steht auf dem Boden und ein Lagerarbeiter „rotiert“ mit einer Handstretchfolie um die Palette.
➁ Die Palette steht auf dem Boden und ein Stretchwickler fährt automatisch um die Palette herum und wickelt diese ein.
➂ Die Palette steht auf dem Boden und ein beweglicher Wickelarm, auf dem die Stretchfolie sitzt, rotiert um eine Palette.
➃ Die Palette steht auf einem Drehteller, der die Palette in die Stretchfolie eindreht.

Im Fall 1.- 3. ist die Spannkraft unter der die Stretchfolie steht alleine durch die Bremskraft ❷ bestimmt.
Im Fall 4. addiert sich noch die Rotationskraft ❶, die zusätzlich an der gebremsten Stretchfolie ZIEHT, dazu:

Anlegespannung einer Stretchfolie beim Stretchwickelvorgang

Kräftegleichgewicht

Die Stretchfolie steht zwischen ❶ und ❷ unter einer Spannkraft/Zugkraft. Durch diese Kraft dehnt sie sich.
Sie dehnt sich aber nicht unendlich, irgendwann ist keine weitere Dehnung mehr festzustellen.
Die bei ❶ und ❷ an der Folie ziehenden Kräfte und die Kraft mit der sich die Stretchfolie diesen Spann-/Zug-Kräften entgegenstemmt, sind dann in einem Kräftegleichgewicht.
Dass im Kräftegleichgewicht von außen keine weitere Dehnung mehr feststellbar ist, bedeutet aber nicht, dass keine Kräfte mehr wirken!

Ein Beispiel für ein Kräftegleichgewicht kennt jeder, dem man schon mal einen Stuhl unter dem Hintern weggezogen hat. Man erkennt sofort, während man sich in Richtung Boden in Bewegung setzt, hier müssen noch Kräfte gewirkt haben, die micht unsanft auf dem Boden aufschlagen lassen. Dort angekommen, herrscht wieder Kräftegleichgewicht. Es sei denn, der Boden bricht dann auch noch durch.

Verstehe ! Ich sehe zwar nichts, aber die Kraft ist trotzdem da.

Genau. Konzentriert man sich auf den Hintern, merkt man ja auch, dass der gegen den Stuhl drückt, der Stuhl aber auch gegen den Hintern.

Anlegespannung = Spannkraft = Zugkraft

Aber zurück zur Stretchfolie. Zwischen ❶ und ❷ steht die Folie also unter einer Spannkraft = Zugkraft.
Der Stretchfolien –Fachmann spricht von der Anlegespannung.

Mehrere Begriffe für den gleichen Sachverhalt? Das Leben könnte so einfach sein!

Stimmt, das hat den Autor in seiner Schulzeit auch häufig in Verwirrung gestürzt.

Je größer diese Anlegespannung ist, umso stärker ist dann die Kompressionskraft, mit der das Ladegut auf der Palette, in sich fixiert und mit dem Fuß der Palette verbunden wird.

Da wir es bei der Palettensicherung nicht mit einer medizinischen Anwendung zu tun haben, streichen wir ab sofort den Begriff Kompressionskraft und sprechen nur noch von Haltekraft (engl. = holding force). Das passt begrifflich besser, kommt physikalisch aber auf dasselbe raus.

Stärkere Haltekraft

Kann ich die Spannkraft und somit die Anlegespannung und dann letztendlich die Haltekraft denn weiter erhöhen?

Ja klar! In dem ich bei ❶ mehr ziehe und/oder bei ❷ mehr bremse.

Dazu erhöhe ich die Umdrehungszahl/Minute des Drehtellers, dann wird durch die Rotationsbewegung stärker an der Stretchfolie gezogen ❶. Und/oder ich erhöhe die Bremskraft der Bremse, wodurch bei ❷ stärker an der Stretchfolie gezogen wird.

Durch beide Maßnahmen erhöhe ich die auf die Stretchfolie wirkende Spannkraft, mit der Folge dass:

➀ Die Stetchfolie sich weiter bis zu ihrem neuen Gleichgewichtszustand dehnt
➀ Die Stetchfolie reißt
➀ Das Ladegut durch die Stretchfolie von der Palette gezogen wird
➀ Der Stretchwickler umfällt.

➀ war gewünscht
➁ will man vermeiden, so lässt sich eine Palette schlecht wickeln
➂ kann teuer werden, je nach Ladegut
➃ hiervon wurde noch nicht berichtet.

Verschiedene Stretchfolientypen

Verstehe! Drehzahl auf Maximum und Bremse auf Maximum, mehr Anlegespannung geht nicht.

Jein! Man darf dabei die Stretchfolie nicht vergessen. Selbst bei maximaler Umdrehungszahl und maximaler Bremskraft, können verschiedene Stretchfolientypen zu unterschiedlichen Anlegespannungen und somit Haltekräften führen. Es kann sich zur Erhöhung der Haltekraft auch der Wechsel zu einer anderen Stretchfolientype lohnen.

Für eine bestimmte Stretchfolientype in einer Dicke, gilt der Merksatz aber.

Maximale Haltekraft

Gut bleiben wir mal bei der gleichen Stretchfolie! Was mach ich denn nun, wenn ich noch mehr Haltekraft brauche für mein Ladegut?

Einfach mehr Stretchfolien – Lagen um die Palette wicklen. Das bisher Gesagte bezieht sich immer auf eine Stretchfolien -Lage. Wickelt man mehr und mehr Stretchfolien –Lagen, bei maximaler Brems- und Rotationskraft, um die Palette, dann erzeugt man mit jeder Lage mehr auch mehr Haltekraft.

Na das ist ja schön! Dann kann ich ja jedes noch so schwere Ladegut sicher auf einer Palette.

Stimmt. Es gibt KEIN Ladegut, dass man nicht absolut sicher auf einer Palette fixieren kann, sofern man dazu nur ausreichend viele Folien-Lagen um die Palette wickelt.

Verpackungskosten

Die Verpackungskosten pro Palette und den negativen Beitrag zum Klimaschutz muss man dann aber vollkommen außer Acht lassen. Die Methode "viel hilft viel" ist nicht die beste Methode, es gibt noch andere Optimierungsmöglichkeiten. Zum Beispiel der Einsatz eines Stretchwicklers mit Reckwerk, oder die Verwendung anderer Stretchfolientypen.

Anlagespannung = Haltekraft?

Eines noch zum Schluß. Warum wird denn bei der Stretchfolie immer zwischen Anlegespannung und Haltekraft unterschieden?
Ist das nicht dasselbe?

Könnte man denken, ja. Sie sind nicht gleich, aber zueinander proportional. Damit ist gemeint, dass wenn die eine Kraft steigt, dann steigt auch die andere Kraft. Mathematisch gleich vom Wert sind sie aber nicht. Warum? Da spielen auch noch geometrische Aspekte eine Rolle.



Weitere hoffentlich nützliche Hinweise auch auf dem STRETCHFOLIEN-Einkaufsratgeber.

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